Pressemitteilung Offenbach den 02.08.202
Freie Wähler / Volt-Fraktion Offenbach: Zustände im Krematorium sind unwürdig – Versäumnisse der früheren Rathauskoalition rächen sich heute
Die Freie Wähler / Volt-Fraktion zeigt sich angesichts der aktuellen Berichterstattung über die Situation im Offenbacher Krematorium tief besorgt. Nach Medienberichten müssen die Särge mit Verstorbenen derzeit aufgrund fehlender Kapazitäten in einem Zelt neben dem Gebäude untergebracht werden. Ein solcher Zustand ist aus Sicht der Fraktion pietätlos und den Verstorbenen wie auch ihren Angehörigen nicht würdig.
„Der Umgang mit Verstorbenen ist ein Gradmesser für den Respekt einer Gesellschaft. Dass in Offenbach heute auf provisorische Lösungen zurückgegriffen werden muss, ist ein unhaltbarer Zustand, der schnellstmöglich beendet werden muss und zurückzuführen ist auf Versäumnisse der letzten Regierungskoalition“, erklärt die Fraktion geschlossen.
Nach Auffassung der Freien Wähler / Volt-Fraktion sind diese Engpässe kein überraschendes Ereignis, sondern die Folge politischer Fehlentscheidungen der damaligen Rathausmehrheit aus SPD, Grünen und FDP. Statt die Chance zu nutzen, einen modernen Neubau der Trauerhalle mit einem leistungsfähigeren und zukunftssicheren Krematorium zu errichten, wurde lediglich eine Sanierung des bestehenden Gebäudes beschlossen. Ausschlaggebend waren unter anderem denkmalgeschützte Glasfenster, die als Kunstwerke erhalten werden sollten.
Aus Sicht der Fraktion wäre dies jedoch kein Hindernis für einen Neubau gewesen. Die Glasarbeiten hätten fachgerecht ausgebaut und in ein neues Gebäude integriert werden können – so man dies denn wirklich gewollt hätte. So wären sowohl der kulturelle Wert der Kunstwerke als auch die dringend notwendige Erweiterung der Kapazitäten miteinander vereinbar gewesen.
„Heute zeigt sich, dass die damalige Entscheidung kurzsichtig war. Es wurde wieder einmal an der falschen Stelle gespart und die Zukunftsfähigkeit der Einrichtung aus den Augen verloren“, so die Fraktion weiter.
Ein erweitertes und modern ausgestattetes Krematorium hätte nicht nur die heutigen Kapazitätsprobleme vermeiden können, sondern wäre nach Auffassung der Freien Wähler / Volt-Fraktion auch wirtschaftlich sinnvoll gewesen. Durch eine höhere Leistungsfähigkeit und effizientere Betriebsabläufe hätte sich eine entsprechende Investition langfristig bezahlt machen können. Dort werden im Jahr über 6.000 Einäscherungen vorgenommen, über die Hälfte davon sind Verstorbene die nicht aus Offenbach stammen. Die Auslastung der Krematorien im Umkreis stoßen immer weiter an ihre Grenzen, so dass man diese Chance für den Standort Offenbach durchaus hätte nutzen können.
Zugleich weist die Fraktion darauf hin, dass Offenbach seit Jahren wächst. Mit einer steigenden Einwohnerzahl nimmt langfristig zwangsläufig auch die Zahl der Sterbefälle zu. Eine verantwortungsvolle kommunale Planung hätte diese demografische Entwicklung berücksichtigen und die notwendige Infrastruktur entsprechend dimensionieren müssen.
Das man hier im Wesentlichen zu kurz gedacht hat zeigt die aktuell untragbare Situation nur zu gut auf.
Die Freie Wähler / Volt-Fraktion fordert den Magistrat daher auf, kurzfristig eine würdevolle Übergangslösung sicherzustellen und gleichzeitig ein tragfähiges Konzept für die langfristige Erweiterung beziehungsweise den Neubau der Krematoriumskapazitäten vorzulegen. Es kann und darf nicht sein, dass trotz ausgeschöpfter Kapazitäten beispielsweise neue Sterbefälle zur Einäscherung angenommen werden und diese dann behelfsmäßig in einem Zelt „gelagert“ werden. Die Stadt darf bei einer so sensiblen Aufgabe nicht erneut wertvolle Zeit verlieren. Verstorbene und ihre Angehörigen haben Anspruch auf einen würdevollen Umgang und eine Infrastruktur, die den tatsächlichen Anforderungen einer wachsenden Stadt gerecht wird.
