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Finger weg vom Minijob! – Die Bundesregierung verliert den Bezug zur Realität

2. Juli 20262. Juli 2026

Cenk Gönül: “Wer Minijobs abschaffen will, hat den Alltag der Menschen und der Betriebe aus den Augen verloren.”

Friedberg/ Wetterau. Die Diskussion um die Abschaffung beziehungsweise massive Einschränkung der Minijobs zeigt für mich vor allem eines: Teile der Bundespolitik und ihrer Beratungsgremien entfernen sich immer weiter von der Lebenswirklichkeit der Menschen.

Ich bin Cenk Gönül, seit über 26 Jahren selbstständiger Gastronom, Unternehmer und Mitglied des Wetterauer Kreistages. Ich beschäftige mich täglich mit den Sorgen meiner Mitarbeiter, meiner Gäste und vieler Unternehmer. Deshalb frage ich mich ernsthaft: Wann haben die Verantwortlichen in Berlin zuletzt mit einem Gastronomen, einem Bäcker, einem Hotelier oder einer alleinerziehenden Mutter gesprochen, die auf einen Minijob angewiesen ist?

Der Vorschlag, Minijobs abzuschaffen oder massiv einzuschränken, wird als Beitrag zur Stabilisierung der Rentenversicherung verkauft. Angeblich sollen dadurch mehr Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wechseln.

Diese Theorie mag auf dem Papier funktionieren – in der Realität funktioniert sie nicht.

Wer glaubt ernsthaft, dass die Studentin, die samstags im Café arbeitet, plötzlich eine Vollzeitstelle annimmt? Wer glaubt, dass der Rentner, der sich seine kleine Rente aufbessert, künftig 40 Stunden arbeitet? Oder dass eine Mutter, die während der Schulzeit einige Stunden arbeitet, ihre familiären Verpflichtungen einfach beiseiteschiebt?

Und was ist mit den hunderttausenden Menschen, die inzwischen einen Minijob benötigen, weil das Geld aus ihrem Hauptberuf schlicht nicht mehr reicht?

Vielleicht sollte sich die Bundesregierung einmal fragen, warum überhaupt so viele Menschen einen Nebenjob brauchen. Die Antwort liegt nicht bei den Minijobs. Sie liegt in den explodierenden Lebenshaltungskosten, steigenden Mieten, hohen Energiepreisen und einer Inflation, die viele Haushalte dauerhaft belastet.

Die Politik bekämpft hier nicht die Ursache – sondern den letzten Ausweg vieler Menschen.

Auch aus Sicht eines Unternehmers ist dieser Vorschlag kaum nachvollziehbar.

Seit mehr als 26 Jahren führe ich gastronomische Betriebe. Gerade unsere Branche lebt von Flexibilität. An sonnigen Tagen, an Wochenenden, bei Veranstaltungen oder in der Ferienzeit brauchen wir kurzfristig mehr Personal. An regnerischen Tagen oder außerhalb der Saison dagegen deutlich weniger.

Kein Betrieb kann sich dafür zusätzliche Vollzeitstellen leisten.

Minijobs sind kein Trick zur Umgehung von Sozialabgaben. Sie sind ein notwendiges Instrument, damit kleine und mittelständische Unternehmen überhaupt wirtschaftlich arbeiten können.

Wer dieses Instrument zerstört, trifft nicht die großen Konzerne.

Er trifft den Bäcker um die Ecke.

Er trifft das familiengeführte Hotel.

Er trifft den Eisdielenbetreiber.

Er trifft die Vereine bei Veranstaltungen.

Er trifft die Schausteller.

Er trifft die Landwirtschaft während der Ernte.

Er trifft die Gastronomie.

Und am Ende trifft er Millionen Menschen, die sich legal und flexibel etwas dazuverdienen.

Ich frage mich deshalb ernsthaft, wie weit sich manche politische Entscheidungsträger inzwischen von der Realität entfernt haben. Wer ernsthaft glaubt, sieben Millionen Minijobber würden nach einer Reform automatisch in reguläre Beschäftigung wechseln, kennt offensichtlich weder die Betriebe noch die Menschen, die dort arbeiten.

Viel wahrscheinlicher ist etwas anderes:

Betriebe werden Öffnungszeiten reduzieren.

Veranstaltungen werden abgesagt.

Arbeitsplätze gehen verloren.

Dienstleistungen werden eingeschränkt.

Und manche Tätigkeiten werden wieder in die Schwarzarbeit abwandern.

Das kann niemand ernsthaft wollen.

Als Kommunalpolitiker im Wetterauer Kreistag erlebe ich regelmäßig, wie wichtig funktionierende mittelständische Unternehmen für unsere Städte und Gemeinden sind. Dort entstehen Ausbildungsplätze, dort werden Steuern gezahlt, dort wird Vereinsleben unterstützt und gesellschaftlicher Zusammenhalt gelebt.

Gerade diese Betriebe brauchen endlich Planungssicherheit statt immer neuer bürokratischer Belastungen.

Die Bundesregierung sollte sich endlich mit den tatsächlichen Problemen beschäftigen.

Nicht die Minijobs sind das Problem.

Das Problem ist, dass immer mehr Menschen trotz Vollzeitbeschäftigung kaum noch über die Runden kommen.

Das Problem sind ständig steigende Abgaben.

Das Problem ist eine Bürokratie, die Unternehmen zunehmend erdrückt.

Das Problem sind wirtschaftspolitische Entscheidungen, die kleine und mittelständische Betriebe immer weiter belasten.

Wer Minijobs abschafft, schafft keine neuen Vollzeitstellen. Er schafft neue Probleme.

Mein Appell an die Bundesregierung lautet deshalb eindeutig:

Hören Sie auf die Menschen, die jeden Morgen Betriebe öffnen, Arbeitsplätze schaffen und Verantwortung übernehmen. Hören Sie auf die Beschäftigten, die auf einen flexiblen Nebenverdienst angewiesen sind. Und hören Sie endlich auf, Politik an theoretischen Modellen auszurichten, die mit dem Alltag der Menschen nichts zu tun haben.

Cenk Gönül 55 FREIE WÄHLER 
Selbstständiger seit über 30 Jahren.
Mitglied des Wetterauer Kreistages
Unternehmer und Kommunalpolitiker

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